Die Gestaltung einer Bestattung oder Trauerfeier soll der Individualität sowie dem kulturellen und religiösen Hintergrund eines Menschen gerecht werden. Auf der Basis anthroposophischer Erkenntnis hat Rudolf Steiner für die Christengemeinschaft ein Ritual entwickelt, das hier vorgestellt wird.
Von Rolf Herzog
Jeder Erdenweg mündet in den Tod. Er trennt das unsterbliche Wesen des Menschen vom sterblichen Leib. Aus ihm ziehen sich die Lebensprozesse zurück, während sie sich auf der geistigen Seite des Daseins weiter entfalten.
Innerhalb der Christengemeinschaft gliedert sich das Bestattungsritual in zwei Teile. Der erste, die sogenannte Aussegnung, wird möglichst nach drei Tagen am offenen Sarg vollzogen, im Sterbehaus oder einem entsprechenden Aufbahrungsraum. Die Kultusworte lenken die Anwesenden zum Licht der geistigen Welt, dem der Verstorbene als seiner neuen Daseinsebene entgegengeht. Er wird hingewiesen auf den geistigen Wesenskern, auf den Christus, der als Träger des Lebens irdisches und geistiges Dasein verbindet. Er öffnet die Seelenaugen, durch die das ewige Licht wahrnehmbar wird.
Zum Abschluss segnet geweihtes Wasser den Leib des Verstorbenen. Dies hilft ihm, die noch mit der äusseren Umgebung verbundenen Kräfte zu lösen.
Der zweite Teil des Bestattungsrituals wird auf dem Friedhof vollzogen, am Grab oder in einem Abdankungsraum, je nachdem, ob es sich um eine Erd- oder Feuerbestattung handelt. Damit wird der Leib nun den Elementen übergeben – ein oft sehr schmerzlicher Moment für die Angehörigen. Das Ritual vermittelt Halt und Aufrichtekraft, die aus dem Erheben der Gedanken an den Ort der Seele des Verstorbenen strömen. "Indes wir hier trauern, ist drüben Freude..." – so hat es J. G. Fichte formuliert (in: "Bestimmung des Menschen"). Im Hindenken an das leibfreie Dasein leuchtet im Irdischen etwas von dem Licht und der Weite der Geisteswelt auf. In dieser wird der Verstorbene sich allmählich zurechtfinden lernen, da der Leib ihm keine Daseinsgrundlage mehr gibt.
Das Ritual vermittelt ihm das Aufwachen für diese neue Wirklichkeit, in der er sich erfüllt erleben kann von dem Christus. Daraus ergibt sich die Ebene, in der weitere Gemeinsamkeit erlebbar wird: in der eigenen Hinwendung zu ihm, zur göttlich-geistigen Welt überhaupt. Innere Vertiefung, Gebet oder Meditation bauen lebendige Brücken von Seele zu Seele.
Ein kurzer Rückblick auf das Leben des Verstorbenen belebt die gemeinsamen Erinnerungen. Dies gehört ebenso zum Ritual wie das geweihte Wasser, das auf den Sarg gegeben wird, und den aufsteigenden Weihrauch, der der Seele hilft, sich vom Vergänglichen zu lösen.