Was sagt Rudolf Steiner über den Selbstmord?
Von Franz Ackermann
Wie jede andere Tat im Leben, verursacht die Selbttötung Folgen im nachtodlichen Dasein; sie zeigt Auswirkungen bis in künftige Erdenleben. Die Folgen sind nicht als Strafe, sondern als Konsequenzen des Handelns anzusehen. Der Blick auf das individuelle Schicksal ist auch gegenüber dem Selbstmordtäter unerlässlich.
Durch die Selbsttötung entzieht sich der Mensch jäh seiner körperlichen Grundlage. Dieser Verlust wird nicht als Befreiung, sondern als besonders leidvoll erlebt. Nach dem Tod muss – laut Steiner – “der Mensch … sich abgewöhnen, einen Körper zu haben. Der Tod erzeugt in ihm zuerst die Wirkung einer ungeheuren Leere. Beim gewaltsamen Tod und beim Selbstmord sind diese Gefühle der Leere, des Durstes und des Brennens noch viel schrecklicher. Der Astralleib *), nicht dazu vorbereitet, ausserhalb des physischen Leibes zu leben, reisst sich unter Schmerzen davon los, während beim natürlichen Tode der reif gewordene Astralleib sich leicht löst. Beim gewaltsamen Tod, der nicht vom Willen des Menschen verusacht ist, ist die Loslösung immerhin weniger schmerzhaft als im Falle des Selbstmords.”
An anderer Stelle erklärt Steiner: “Es wird nun mancher sagen: Der Lebensüberdrüssige hängt ja gar nicht mehr am Leben, sonst hätte er es sich nicht selbst genommen. – Das ist eine Täuschung, denn gerade der Selbstmörder hängt zu sehr am Leben; weil es ihm aber die Befriedigung gewohnter Genüsse nicht mehr bietet, weil es ihm vielleicht durch veränderte Verhältnisse manches versagt, darum geht er in den Tod, und darum ist ihm nun die Entbehrung des physischen Körpers unsagbar gross.” (Gesamtausgabe Band 95)
Ist der Selbstmörder ganz seinem Schicksal ausgeliefert? Können Angehörige sein Leid nicht lindern helfen? Rudolf Steiner schildert anlässlich vieler Vorträge, wie Lebende und Verstorbene sich begegnen können, wie von beiden Seiten der Schwelle hilfreiche Handlungen geschehen können. Die Kraft der Zuwendung, sei es im liebevollen Angedenken, sei es im Gebet oder in der gedankendurchlichteten Meditation, kann den Verstorbenen erreichen.
Folgenden Spruch hat Rudolf Steiner an eine Mutter gegeben, deren Sohn sich das Leben nahm:
Seele im Seelenlande
Suche des Christus Gnade,
die dir Hilfe bringet,
die Hilfe aus Geisterlanden,
die auch jenen Geistern Friede
verleiht, die im friedelosen
Erleben verzweifeln wollen.
*) Der Astralleib ist nach anthroposophischer Auffassung der Träger von Empfindungen und Emotionen. Er ist eines der vier Wesensglieder , die den verkörperten Menschen ausmachen