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Was tun?
Abschiedsrituale
Trauerfeier

Den Tod nicht verstecken

In früheren Zeiten wurden Menschen nach ihrem Tod während mehreren Tagen aufgebahrt, damit ihre Angehörigen, ihre Freunde und die Dorfbewohner von ihnen Abschied nehmen konnten. In der Anthroposophie ist dieser Brauch lebendig geblieben – eine Aufbahrungsdauer von drei Tagen ist die Regel (siehe Spalte rechts). Ruth König schildert hier die Abschiedsrituale im Alters- und Pflegeheim Rüttihubelbad.

Von Ruth König

Im Leitbild des Alters- und Pflegeheims Rüttihubelbad ist Sterbebegleitung als eine wichtige Aufgabe genannt. Sie besteht nicht nur aus einem kurzen letzten Abschnitt vor dem Tod. Sie umfasst vielmehr die ganze Altenpflege, denn diese ist Lebenspflege bis hin zum Sterben. Wir versuchen, den Tod nicht zu verstecken, denn er ist ja das Sicherste im Leben und gehört zum Menschsein. Im Altersheim haben Bewohner und Bewohnerinnen oft über viele Jahre die Möglichkeit, wahrzunehmen und zu erleben, wie dieser Übergang vom Leben zum Tod in unserem Hause begleitet wird. So können sie sich selber – bewusst oder unbewusst – auf diesen Weg vorbereiten.

Wenn bei uns ein Bewohner, eine Bewohnerin im Sterben liegt, sind oft Mitbewohner/innen bereit, den Sterbenden zu besuchen, Familienangehörige werden herbeigebeten und die Aufmerksamkeit im Hause richtet sich in Ruhe und liebevoller Zuwendung auf die sterbende Person. Nach dem Tode wird an zentraler Stelle im Hause eine Kerze angezündet und ein Buch mit den Lebens- und Sterbedaten des Verstorbenen aufgelegt. Dieses öffentliche Zeichen bleibt so lange, wie der oder die Tote im Hause ist. Die pflegerischen Verrichtungen am Verstorbenen werden in Ruhe und Ehrfurcht durchgeführt, manchmal mit Hilfe der Familie. Drei Tage bleibt der tote Mensch in seiner gewohnten Umgebung. Er wird in seinem Zimmer aufgebahrt (mit Kühl-Aggregat); ein besonderes Bild hängt aussen an der Türe, und jeder, der möchte, kann während dieser Zeit eintreten. Das Zimmer ist geordnet und kühl, es brennt auch hier die ganze Zeit eine Kerze; oft sitzt jemand da und liest Texte aus dem Evangelium. Wir haben erleben dürfen, dass Ehepartner oder Verwandte während der Nacht am Totenbette gewacht haben.

Entsprechend dem Wunsche des Verstorbenen findet am dritten Tage nach dem Tode eine Abschiedsfeier statt, zu der alle Bewohner und Bewohnerinnen eingeladen sind. Der Instrumental- und Singkreis des Zentrums Rüttihubelbad umrahmt die Feier, und jeder kann noch einmal am geöffneten Sarg vorbeigehen, um so Abschied zu nehmen. Später wird der geschlossene Sarg aus dem Hause begleitet. Vier bis sechs Wochen später wird eine Gedenkfeier gestaltet, an der ausgewählte Texte vorgelesen, die Biographie des Verstorbenen beleuchtet und individuelle Erinnerungen ausgetauscht werden.

Die Verbindung mit den Toten wird auch weiterhin gepflegt: Immer im November finden sich alle Menschen aus dem Altersheim zu einer Feier für unsere Verstorbenen zusammen. Familienangehörige sind ebenfalls dazu eingeladen. In stillem, besinnlichem Rahmen werden die Namen der Verstorbenen des letzten Jahres vorgelesen und jeder, der dies wünscht, kann Erinnerungen an einen dieser Verstorbenen vortragen. So ist – wie das Sterben selber – die Zeit nach dem Tode ein langer Prozess und alle Bewohner/innen erleben dieses Ereignis um sich herum viele Male auf intensive Weise. Sie werden einerseits immer wieder mit dem Tod konfrontiert, können aber dadurch auch hineinwachsen in ihren individuellen Weg; sie erleben Unsicherheit und Angst, aber ebenso Entspannung und Trost.

Für das gemeinsame Leben im Heim ist das Umgehen mit Sterben und Tod auf diese bewusste Weise eine wichtige Möglichkeit, den alten Menschen auf ganzheitliche Art zu pflegen und ihm zu helfen auf seinem Wege durch das Alter.

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Ruth König arbeitete bis zur Pensionierung als Pflegefachfrau im Alters- und Pflegeheim Rüttihubelbad. Sie hat die dortigen Strerberituale mitentwickelt.

Aufbahrung

Auch die anthroposophischen Kliniken praktizieren die Aufbahrung der Verstorbenen und haben zu diesem Zweck besondere Räume eingerichtet. Die Dauer von drei Tagen hat einen realen Hintergrund: sie entspricht der Zeitspanne, während der sich der Ätherleib vom physischen Körper löst.

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www.medienbuero.ch | 06.03.07 
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